16/05/2014

11 Fragen an den Autor Christian Dornreich / 11 questions to the author Christian Dornreich

11 Fragen an den Autor Christian Dornreich / 11 questions to the author Christian Dornreich

  1. Herr Dornreich, vor kurzem ist Ihr Roman „Das Herz der Greakar “ in Eigenregie erschienen. Wie fühlt sich das an? Erzählen Sie uns ein bisschen... 

    Es ist immer noch ein wenig unwirklich für mich. Hey, es gibt da draußen einen Roman, ein Buch und das ist von mir? Und es gibt tatsächlich auch Leute die es lesen und denen es gefällt. Das macht mir Freude. Auf der anderen Seite entwickelt man sich weiter. Als ich „Das Herz der Greakar“ geschrieben habe, habe ich mich erst ein halbes Jahr lang überhaupt mit dem Schreiben beschäftigt. Ich liebe mein Debüt, aber viele Dinge würde ich vielleicht heute anders machen. Trotzdem bereue ich nichts. Ich bin der Typ Mensch, der etwas ausprobieren muss.
    „Das Herz der Greakar“ ist, was im Allgemeinen „Grim & Gritty“-Fantasy genannt wird. Es ist eine düstere Geschichte in einer dunklen und verdrehten Welt. Die Geschichte ist sehr direkt und ebenso auch die Sprache der Greakar. Das sind keine hochwohlgeborenen Elfchen, sondern Krieger, die ums Überleben kämpfen. Rohars Wahlspruch lautet: „Ich bin Soldat, ich kenn nur Dreck!“ Zu den Dialogen im Buch habe ich die meisten Rückmeldungen erhalten. Manche sehr positiv, andere eher erbost. Aber das ist okay. Das ist besser als Gleichgültigkeit.


     Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung 
    von Christian Dornreich (c)

  2. In Kürze erscheint Ihr Roman „Kelilah – Die Krone der Schatten“. Inwiefern unterscheidet sich der Zweitling von Ihrem Debüt?

    „Die Krone der Schatten“ ist recht klassische High-Fantasy und sollte mein eigentliches Debüt werden, aber es gab einige Stolpersteine zu überwinden, also haben sich die Greakar dazwischen gemogelt. Das Buch hat zwar auch den „Dornreich'schen Grim & Gritty-Touch“, aber es ist ganz anders als „Das Herz der Greakar“.
    „Die Krone der Schatten“ behandelt tatsächlich den alten Konflikt von Gut und Böse und es gibt sogar eine uralte Prophezeiung (lacht). Ich habe keine Berührungsängste mit Klischees. Vielmehr umarme ich sie. Das Gute an Klischees ist, man kann sie biegen und brechen. So klassisch die Schattenkrone auch beginnt, kann ich versprechen, es wird noch ganz schön hässlich.


  3. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen und wann haben Sie damit angefangen?

    Ich bin erst spät, vor nicht ganz 2 Jahren, zum Schreiben gekommen. Mit dem Gedanken hatte ich schon früher gespielt und im Teenageralter habe ich schon einmal eine Kurzgeschichte verfasst, aber weiter ist es nicht gegangen. 2012 suchte ich dann nach einer Art Hobby, einem Ausgleich zum Alltag und zu meinem Job. Meine damalige Partnerin sagte zu mir „Schreib doch!“. Die Frau hat mein Leben bald verlassen, das Schreiben ist geblieben.


  4. Warum Fantasy und warum „grim & gritty“ ? 

    Fantasy war keine bewusste Entscheidung. Das ist einfach passiert. Mir gefällt, dass Fantasy die elementarsten Konflikte auf eine ganz spezielle Art und Weise darstellen kann. Verrat, Krieg oder der Kampf eines Individuums gegen eine übermächtige Maschinerie oder einen allmächtig wirkenden Gegner. Das ist, was z.B. Rohar, dem Protagonisten im Greakar-Roman passiert. Er ist Soldat, ein einfacher Kämpfer und trifft auf Mächte, die er nicht versteht. Außerdem habe ich ein Faible für magische Schwerter (lacht).
    „Grim & gritty“ weil das Leben so ist. Das mag platt klingen, aber die Dinge haben den Hang, nicht gut auszugehen. Selbst wenn es gut ausgeht, sind wir am Ende tot. So einfach ist das. Freude und Triumph währen meist nur kurz. Mich faszinieren die dunklen Ecken viel mehr. Wie einfache, ganz kleine Dinge zu tragischen Entwicklungen führen oder aus dem Streben nach Gutem großes Übel entsteht.
    Außerdem verbindet man im deutschsprachigen Raum noch nicht viel mit der Bezeichnung „grim & gritty“. Ich sehe da einfach eine Nische, die ich für mich nutzen möchte.




  5. Woran arbeiten Sie gerade / Was schreiben Sie als Nächstes? 

    Im Moment arbeite ich an meiner „Heldentrilogie“, die in der Welt von Mirabil spielt. Das war die erste größere Idee, die ich hatte und nach mehreren Fehlversuchen, diese Geschichte auf das elektronische Papier zu bannen, habe ich nun endlich den Dreh heraus. Teil I – „Die Krone der Schatten“ – steht ja nun kurz vor dem Ende. Teil II habe ich bereits begonnen und Teil III ist noch in der Plotphase. Nach der „Heldentrilogie“ möchte ich zu „Schicksalsmacht“ zurückkehren. Das ist eine andere Reihe, an der ich arbeite und sie hat Drachen. Drachen! (lacht) Auf meiner Webseite http://www.dornreich.de finden sich dazu immer die aktuellsten Informationen. Wenigstens einmal im Monat gibt es dort den „Stand der Dinge“. Außerdem findet man diese Infos auch in den sozialen Netzwerken, z.B. auf Facebook unter http://www.facebook.com/ChristianDornreich.  


  6. Was fasziniert Sie am Schreiben ?

    Die Faszination liegt für mich im Erschaffen. Eine Geschichte entsteht, Figuren tauchen auf, man lernt sie kennen, man liebt oder hasst sie und immer leidet man mit. Es ist ein Schlüpfen in fremde Rollen, in ungewöhnliche Rollen. In Dialogen ist das ganz extrem, weil man in fast jeder neuen Zeile in eine andere Figur schlüpft. Das ist etwas, was mir persönlich nur das Schreiben bietet. Ich liebe es, meine eigenen Welten zu erschaffen oder – besser gesagt – ihnen beim Entstehen zuzusehen und sie dann mit Leben zu erfüllen. Die Intensität ist faszinierend. 


  7. Welche Genre lesen Sie bevorzugt? 

    Beim Lesen halte ich es, wie bei der Musik: Das Genre ist mir nicht so wichtig, solange die Geschichte mich bewegt. Allerdings lande ich immer wieder bei Fantasyromanen oder gerne auch einem guten Thriller. Ich mag es gern „dark and twisted“.
    Leider komme ich immer weniger zum Lesen, je mehr ich schreibe und es fällt mir schwerer, einfach nur zum Vergnügen zu lesen.  


  8. Welches sind Ihre schriftstellerischen Vorbilder / Lieblingsautoren / Lieblingsbücher? 

    Direkte Vorbilder habe ich nicht. Es gibt Autoren, die ich respektiere für das, was sie geschaffen haben oder noch schaffen. Ich mag die Askir-Reihe von Richard Schwartz oder bewundere die Komplexität, die ein George R.R. Martin in seinem „Lied von Eis und Feuer“ erreicht. Trotzdem möchte ich das nicht für mich. Ich kenne Kolleginnen oder Kollegen, die gar nicht mal so bekannt sind oder sogar noch gar nicht veröffentlicht haben, aber trotzdem z.B. einen ganz wunderbaren Stil oder eine besondere Herangehensweise an bestimmte Dinge rund ums Schreiben haben. Das ringt mir Respekt ab oder inspiriert und spornt an.




  9. Haben Sie eine bestimmte Schreibroutine oder Schreibrituale? Sind Sie eher ein Bauchschreiber oder Planer? Was machen Sie bei Schreibblockaden? 

    Ich brauche meinen Kaffee, viel Kaffee (lacht). Am liebsten schreibe ich früh am Morgen, wenn der Tag langsam herankriecht und die Welt noch vor sich hin schlummert. Das ist meine beste Zeit. Und Ruhe. Ich kann nicht in Gesellschaft oder z.B. im Café schreiben.
    Ich bin ein Planer. Definitiv. Bauchschreiben funktioniert nicht für mich, zu exzessives Plotten aber auch nicht. Man kann sich auch wunderbar in der Planung verlieren und beginnt dann nie mit dem Schreiben. Für mich selbst habe ich herausgefunden, dass ich mit dem Schreiben erst beginnen kann, wenn ich weiß, wie die Geschichte endet. Ohne Ende gibt es keinen Anfang. Das macht die ganze Sache auch so schwierig, weil mir Enden immer schwerfallen.
    An Schreibblockaden glaube ich nicht. Ich glaube an mangelnden Fokus, fehlende Selbstdisziplin oder unzureichende Planung. Das sind die Dinge, die Autoren blockieren. Oder die zumindest mich blockieren. Aber die sprichwörtliche „Angst vor dem leeren Blatt“ oder ähnliches, das kenne ich nicht.


  10. Wenn Ihr Buch verfilmt werden würde, welchen Regisseur würden Sie sich wünschen und welche Schauspieler sollten die Rollen des Rohar aus „Das Herz der Greakar“ oder der Kelilah aus Ihrem Roman „Die Krone der Schatten“ übernehmen? 

    Wenn ich mir ansehe, wie Bücher, insbesondere Fantasyromane, im Allgemeinen verfilmt werden, möchte ich das eher nicht (lacht). Was ich mir vorstellen könnte, wäre eine Serie, wie das bei „Game of Thrones“ mit der „Eis und Feuer“-Reihe von Martin passiert. Ich glaube, das würde mir gefallen. Ernsthaft: Es würde mir sehr schwerfallen, die Kontrolle über mein Werk abzugeben und genau das passiert aber, wenn ein Buch verfilmt wird. Da bin ich viel zu sehr Realist. Insofern denke ich selten über Schauspieler für die Rollen meiner Figuren nach. Mit einer Ausnahme: Für Kelilah fände ich Keira Knightley sehr passend.


  11. Woher beziehen Sie Ihre Inspiration für Ihre Kurzgeschichten und Romane? Woher holen Sie Ideen für Ihre Charaktere? 

    Kurzgeschichten schreibe ich nicht mehr. Das habe ich ganz zu Beginn getan und es war ein Fehler. Eine Kollegin hat mal sinngemäß gesagt: „Ich kann nur lang!“ Das unterschreibe ich. Inspiration kann alles mögliche sein. Das aktuelle Tagesgeschehen, eine erlebte Situation, Geschichte. All das, übertragen in den Kontext meiner Fantasywelten. Was mich beim Schreiben sehr prägt und inspiriert, ist aber auch meine persönliche Biografie. Meine Vergangenheit als Soldat spielt eine große Rolle. Ich denke, es ist etwas anderes, über Kämpfe zu schreiben, wenn man wirkliche Kämpfe erlebt hat. Wenn man weiß, wie sich richtiger Hunger anfühlt, Schlafentzug. Wenn man weiß, wie sich das anfühlt, wie jeder Muskel schmerzt nach nächtelangem Marsch und man doch stets hellwach sein muss und auf der Hut. Das Gefühl, wenn der eigene Knochen bricht. Das ist, denke ich, auch der Grund, warum es in meinen Romanen oft hart zur Sache geht. Das liegt mir einfach, da bin ich in meinem Element.



Wir danken vielmals für das Interview !

Ich habe zu danken! Es hat sehr viel Spaß gemacht.




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